1000 Stimmen: Wuppertal wird hörbar
Bildrechte: Pina Bausch Zentrum under construction
Gedanken, Erinnerungen, Wünsche und Geräusche aus allen Teilen der Stadt bilden das Material für das Klangkunstprojekt „1000 Stimmen“. Unter der künstlerischen Leitung von Horst Konietzny soll daraus eine vielstimmige Soundcollage entstehen. Ihre Präsentation ist für den Herbst 2026 im Pina Bausch Zentrum under construction vorgesehen.
Wie klingt Barmen? Was beschäftigt die Menschen auf dem Weg durch die Stadt? Welche persönlichen Geschichten bleiben gewöhnlich ungehört? Das Beteiligungsprojekt „1000 Stimmen“ richtet den Blick nicht auf prominente Persönlichkeiten oder vorgegebene Themen, sondern auf die Menschen, die in Wuppertal leben. Ihre Stimmen, Gedanken und Geräusche sollen zu einer urbanen Klanglandschaft zusammengeführt werden.
Das Projekt wurde vom Forum Wupperbogen für das Pina Bausch Zentrum under construction initiiert. Bereits im Frühjahr 2026 fanden Workshops statt, bei denen Teilnehmende Interview- und Aufnahmesituationen erprobten und gemeinsam nach Fragen suchten, die persönliche Erfahrungen und Sichtweisen sichtbar beziehungsweise hörbar machen können. Über den Auftakt und die künstlerische Idee berichtete auch die Westdeutsche Zeitung am 22. Mai 2026.

Von der einzelnen Aufnahme zur gemeinsamen Klanglandschaft
Eine Teilnahme ist niedrigschwellig möglich: Auf der öffentlich erreichbaren Projektseite wird dazu aufgerufen, mit dem Smartphone ein kurzes Interview, die eigene Stimme oder ein Geräusch aufzunehmen. Jede Audiodatei darf höchstens 100 Sekunden lang sein und kann mit einem aussagekräftigen Dateinamen an Stimmen@1000Stimmen.de gesendet werden. Die Beiträge können offen, spontan, poetisch oder anonym gestaltet werden. Ein konkreter Einsendeschluss wird auf der Projektseite derzeit nicht genannt.
Aus dem gesammelten Material entwickelt Horst Konietzny einen Klangraum, in dem die einzelnen Beiträge nicht zu einer einheitlichen Erzählung geglättet werden. Vielmehr soll die Verschiedenheit der Menschen und ihrer Perspektiven als gemeinsamer, vielstimmiger Zusammenhang erfahrbar werden. Die Präsentation der Klangarbeit ist für den Herbst 2026 vorgesehen. Der genaue Veranstaltungsort und die Form der Präsentation standen zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht fest. Das Projekt entsteht im Rahmen der Vorlaufphase „Pina Bausch Zentrum under construction“.
Das Forum Wupperbogen: Beteiligung als Teil der Kulturarbeit
„1000 Stimmen“ steht im Zusammenhang mit dem Forum Wupperbogen, einer der vier konzeptionellen Säulen des zukünftigen Pina Bausch Zentrums. Neben dem Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, der Pina Bausch Foundation mit dem Archiv und einem internationalen Produktionszentrum soll das Forum die Beteiligung der Stadtgesellschaft dauerhaft in der Arbeit des Hauses verankern. Partizipation wird dabei nicht als ergänzendes Veranstaltungsformat, sondern als Aufgabe verstanden, die alle Arbeitsbereiche des Zentrums betrifft.
Das Pina Bausch Zentrum soll im denkmalgeschützten ehemaligen Wuppertaler Schauspielhaus und einem ergänzenden Neubau entstehen. Mit der Planung wurde das New Yorker Architekturbüro Diller Scofidio + Renfro beauftragt. Vorgesehen ist ein ganztägig zugänglicher Kunst- und Kulturort, der Aufführungen, künstlerische Produktion, Archivarbeit, Bildung und gesellschaftliche Begegnung miteinander verbindet.
Horst Konietzny: Arbeit zwischen Klang, Theater und öffentlichem Raum
Horst Konietzny arbeitet als Regisseur, Autor, Dozent und Kurator. Sein Schwerpunkt liegt auf interdisziplinären Projekten an den Schnittstellen von Musik, bildender Kunst, Theater und digitalen Medien. Seit den 1990er-Jahren realisiert er unter anderem mediale Kunstprojekte im öffentlichen Raum, dokumentarische Theaterproduktionen, Audioguides, Klanginstallationen und Arbeiten zur kulturellen Stadtentwicklung. Seit 2012 leitet er zudem den mobilen Münchner SIGNALRAUM für Klangkunst und Neue Medien.
Die Methode von „1000 Stimmen“ knüpft damit an einen zentralen Bereich seiner bisherigen Arbeit an: Menschen werden nicht lediglich dargestellt, sondern bringen ihre eigenen Stimmen und Erfahrungen unmittelbar in das Kunstwerk ein.
Ein Wuppertaler Vorläufer im Skulpturenpark Waldfrieden
Mit Wuppertal und dem Tanztheater ist Horst Konietzny bereits durch die Hörtheaterproduktion „Unser Leben ist voller Schall und Raserei“ verbunden. Die Arbeit wurde vom 6. bis 15. Mai 2022 im oberen Ausstellungspavillon des Skulpturenparks Waldfrieden präsentiert.
Grundlage waren ausführliche Gespräche mit Mitgliedern des Pina-Bausch-Ensembles über ihre künstlerische Arbeit und ihre Erfahrungen im Umfeld von Pina Bausch. Konietzny verband Stimmen, persönliche Geschichten, Umgebungsgeräusche, akustische Bewegungsstudien und die Musik des Multiinstrumentalisten Dine Doneff zu einer räumlichen Hörinstallation. Produziert wurde die Arbeit vom Tanztheater Wuppertal Pina Bausch in Kooperation mit dem Skulpturenpark Waldfrieden.
Während in dieser Produktion die Erfahrungen von Tänzer*innen im Mittelpunkt standen, erweitert „1000 Stimmen“ den Ansatz auf die gesamte Stadtgesellschaft.
Tanztheater und Skulpturenpark als kulturelle Bezugspunkte
Das Tanztheater Wuppertal geht auf das Jahr 1973 zurück. Damals übernahm Pina Bausch die Leitung des Wuppertaler Balletts und entwickelte daraus das Tanztheater Wuppertal. Die Verbindung von Tanz und Theater prägte einen international einflussreichen neuen Ausdrucksstil. Das Ensemble bewahrt und zeigt bis heute das Repertoire Pina Bauschs und soll im zukünftigen Pina Bausch Zentrum eine feste Spielstätte erhalten.
Auch der Skulpturenpark Waldfrieden ist eng mit der Wuppertaler Kulturlandschaft verbunden. Er entstand auf Initiative des in Wuppertal lebenden britischen Bildhauers Tony Cragg und wurde 2008 eröffnet. Die gemeinnützige Cragg Foundation präsentiert dort eine wachsende Skulpturensammlung sowie wechselnde Ausstellungen, Konzerte und Veranstaltungen.
Für den Kulturstandort Barmen sind beide Einrichtungen wichtige Bezugspunkte: Das Tanztheater ist ein international bekannten Kulturbotschafter, und der über den Hesselnberg verlaufenden Skulpturenpark ist Bestandteil der kulturellen Verbindung in Richtung Elberfeld. „1000 Stimmen“ ergänzt diese Landschaft um eine weitere Perspektive – die persönlichen Stimmen der Menschen aus Barmen und der gesamten Stadt.
Teilnahme
Audioaufnahmen mit einer Länge von höchstens 100 Sekunden können laut Projektseite an Stimmen@1000Stimmen.de gesendet werden. Die Präsentation der daraus entstehenden Klangarbeit ist für den Herbst 2026 im Pina Bausch Zentrum under construction angekündigt.
Quellen
Werner, Monika (22. Mai 2026): 1000 ganz verschiedene Stimmen hörbar machen. Westdeutsche Zeitung, Wuppertaler Kultur, S. 20.
Pina Bausch Zentrum under construction (Abruf: 15. Juli 2026): 1000 Stimmen – Workshop mit Medienkünstler Horst Konietzny.
Pina Bausch Zentrum (Abruf: 15. Juli 2026): Partizipation – Forum Wupperbogen sowie Die bauliche Umsetzung.
Skulpturenpark Waldfrieden (Abruf: 15. Juli 2026): Horst Konietzny – Unser Leben ist voller Schall und Raserei und Cragg Foundation.
Tanztheater Wuppertal Pina Bausch (Abruf: 15. Juli 2026): Pina Bausch und Das Tanztheater.





